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Die Punch-Liste zur Steuerung der Prototypenphase

In diesem Artikel wird an einem allgemeinen Beispiel eines Entwicklungsprojekts im Maschinenbau darauf eingegangen, welche organisatorischen Herausforderungen bei der Erprobung und Inbetriebnahme eines Prototypen üblicherweise entstehen. Es wird gezeigt, wie sich dynamische Projektsituationen bewältigen lassen und dabei stets der Überblick über das Gesamtprojekt erhalten bleibt, wobei hier im Speziellen auf die sogenannte Punch-Liste als Excel-Dokument als Steuerungsinstrument eingegangen wird. Die Punch-Liste kann auch als Mängelliste bezeichnet werden.

Eine Excel-Vorlage der Punch-Liste ist unten auf der Seite erhältlich.

Wenn im folgenden von Prototyp gesprochen wird, ist damit sowohl der Vorläufer eines Serienprodukts gemeint als auch eine einzelne Maschine aus dem Sondermaschinenbau.

Einordnung im Produktentwicklungsprozess

Der Produktentwicklungsprozess vollzieht sich in der Regel in folgenden Schritten, wobei die hier relevanten Phasen hervorgehoben sind:

  1. Problemformulierung bzw. Produktidee
  2. (Voruntersuchung)
  3. Entwicklung des Konzepts
  4. Entwurf
  5. Konstruktion
  6. Prototypenbau und -erprobung
  7. Verbesserungen
  8. Produkteinführung
Phasen des Produktentwicklungsprozesses, hier relevant: Erprobung (und Bau des Prototypen) und Verbesserung

Im Sondermaschinenbau und bei Kleinserien aber auch bei Entwicklung von völlig neuen Maschinentypen für eine spätere Serienproduktion ist i.d.R. ein Kompromiss zwischen fehlerfreier Konstruktion und Auslegung und vertretbarem konstruktivem Aufwand einzugehen. Das bedeutet nicht, dass mit Vorsatz nachlässig oder unvollständig konstruiert wird, sondern dass zugunsten des geringeren Aufwands das Risiko (eine Übersicht über auftragstypische Risiken in der Entwicklung und Konstruktion gibt es hier) eingegangen wird, nicht jeweils die perfekte Lösung entwickelt zu haben.

Die Prototypenphase

In der Praxis bedeutet dies, dass bei der Fertigung, Montage und Erprobung eines Prototypen oder Erstmusters Mängel aufgedeckt werden, die sowohl Konstruktion (meist einfach zu beheben) als auch Konzept (hier kann es problematisch werden) betreffen.

Beispiele für solche Mängel sind:

  • Einfache konstruktive Mängel
    • Bohrungen haben kein Gewinde oder sitzen an der falschen Stelle
    • Gleitschienen weisen einen ungeeigneten Reibwert auf
    • es treten unzulässige Vibrationen an Bauteilen auf
  • Größere konstruktive Mängel
    • geforderte Leistungsparameter werden nicht erfüllt, z.B. wird eine Drehzahl nicht erreicht
    • Kollisionen von bewegten Bauteilen aufgrund fehlerhafter Kinematik
    • Wartungsvorgänge wurden nicht berücksichtigt, Bauteile sind nicht erreichbar
    • Bauteile lassen sich nicht montieren
  • Konzeptionelle Mängel
    • Ausgewählte Verfahren sind nicht geeignet, z.B. werden empfindliche Produkte durch verfahrensbedingte Einwirkungen beschädigt

Im Grundsatz gilt, je früher der Fehler begangen wurde, umso aufwändiger wird es, ihn zu beheben. Dies spricht für eine intensive Konzept- und Entwurfsphase, die in der Praxis aber häufig zu kurz kommt.

Je nach Komplexität der Maschine kann eine Vielzahl von kleineren oder auch größeren Aktivitäten, die z.T. ineinander greifen oder voneinander abhängig sind, erforderlich werden, um zum gewünschten Ziel -- der funktionierenden Maschine -- zu kommen. An dieser Stelle kommt die Punch-Liste ins Spiel.

Die Punch-Liste

In der Punch-Liste laufen folgende Informationen zusammen:

  • Welcher Mangel ist aufgetreten?
  • Welche Gegenmaßnahmen müssen ergriffen werden?
  • Welche Baugruppe ist davon betroffen?
  • Welcher Aufwand ist für die Umsetzung der Gegenmaßnahmen notwendig?
  • Wie hoch ist die Priorität der Umsetzung?
  • Wer ist für die Umsetzung zuständig und wie hoch ist dessen Auslastung?

Diese Punkte lassen sich in einer einfachen Liste erfassen, aus der anschließend weitere Informationen gewonnen werden können. Das nachfolgende Bild zeigt eine Punch-Liste mit einigen Einträgen.

Einige Beispieleinträge in der Punch-Liste

Um ein sauberes Filtern und Auswerten zu ermöglichen, ist es zwingend erforderlich, gleiche Dinge auch immer gleich zu benennen. Das klingt trivial, ist in der Praxis aber nicht selbstverständlich. In der Punch-Liste erreicht man dies am besten, indem man für die Attribute Baugruppe, Bearbeiter, Status und Priorität Vorgabewerte definiert, die dann in den einzelnen Einträgen der Punch-Liste ausgewählt werden können.

Vorgabewerte für die Einträge in der Punch-Liste

Auswertung der Punch-Liste

Die Auswertung kann über die Pivot-Funktionen von Excel auf unterschiedliche Arten erfolgen. Nachfolgend werden zwei Ansichten dargestellt.

Bearbeitungsaufwand je Bearbeiter und Baugruppe

Die nachfolgende Abbildung zeigt eine Pivottabelle zu der Bearbeitungszeit je Bearbeiter und Baugruppe. Über einen übergeordneten Filter lässt sich diese Ansicht auf eine bestimmte Priorität begrenzen.

Bearbeitungsaufwand je Bearbeiter und Baugruppe

Bearbeitungsaufwand nach Priorität und Baugruppe

Die folgende Abbildung zeigt die Pivottabelle zum Bearbeitungsaufwand nach Priorität und Baugruppe. Der übergeordnete Filter ist in diesem Fall der Status, also ob der Punkt offen, in Arbeit oder abgeschlossen ist.

Bearbeitungsaufwand nach Priorität und Baugruppe

Die hier gezeigten Ansichten sind, da es nur wenige Einträge in der Punch-Liste gibt, sehr einfach zu überblicken, so dass der Eindruck entstehen könnte, man würde diese Art der Auswertung nicht benötigen. In einem maschinenbaulichen Projekt (sehr einfache Konstruktionen sind hier ausgenommen) können jedoch schnell mehrere 100 Einträge in der Liste entstehen, so dass auf dem hier gezeigten Weg dann gut der Überblick behalten werden kann.

Die Excel-Vorlage

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